Der in Darmstadt lebende Publizist Ludger Fittkau hat mehrere Bücher zum zivilen Flügel des 20. Juli 1944 veröffentlicht. Nun hat er Bergsträssers Kriegstagebuch unter dem Titel „Mosaik aus bitteren Tagen“. in dem Marie-Elisabeth-Lüders eine wichtige Rolle spielt, herausgegeben, aus dem er beim FORUM EICHKAMP am 14.April liest.
Wenn der ehemalige DDP-Reichstagsabgeordnete Ludwig Bergsträsser zwecks Vorbereitung des 20. Juli 1944 in Berlin Wilhelm Leuschner besuchte, traf er im Eichkamp auch seine frühere Parlamentskollegin Marie-Elisabeth Lüders. Die „Demo-Lisbeth“, wie ihre Freundinnen und Freunde sie nannten, hatte in ihrem Haus schon vor 1933 Flugblätter gegen Hitler gelagert. Während der NS-Zeit versteckte sie mit Hilfe von Nachbarn verfolgte Jüdinnen und Juden in ihrem Haus und in umliegenden Häusern und besuchte zumindest einmal einen politisch Verfolgten in der Todeszelle in Plötzensee. Das bestätigt „Lüders Liste“, wie das Kriegstagebuch Ludwig Bergsträssers – das nun erstmals gedruckt vorliegt- ein neuer Archivfund. Anders als Leuschner, der hingerichtet wurde, blieb Bergsträsser unentdeckt. Nach Kriegsende setzten ihn die US-Truppen als ersten Nachkriegs-Regierungspräsidenten in Südhessen ein. Bergsträsser versuchte, Lüders in seine Verwaltung nach Darmstadt zu locken. Doch sie ging schließlich nach Berlin zurück und wurde dort unter Ernst Reuter Senatsmitglied. Ludwig Bergsträsser wurde als SPD-Mitglied des Parlamentarischen Rates einer der „Väter“ des Grundgesetzes, Marie-Elisabeth Lüders schließlich FDP-Alterspräsidentin des Deutschen Bundestages. Sie wohnte bis zum Schluss in ihrem Haus Im Hornisgrund 25.